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Monday
Aug112014

Twitter und Müll

Ausgerechnet die seriöse NZZ hat diese ­Woche eine Geschichte über eine Frau losgetreten, die von ihrem Arbeitsplatz im Bundeshaus aus Nacktbilder im Internet veröffent­lichte; genauer im sozialen Netzwerk Twitter. Nach einer politisch korrekten Wortwahl ringend, schrieb die Alte Tante: «Auf den Bildern sind mitunter ihre primären und sekundären ­Geschlechtsmerkmale zu sehen.»

Bei der Empörung über die «Porno-Sekretärin» («Blick») von Bundesbern ist viel Heuchelei im Spiel. Und zwar auf allen Seiten: Da ist der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der prompt die Entlassung der Dame forderte. Oder der Ärger darüber, dass «Blick» oder «20 Minuten» die Privatsphäre der Betroffenen offenbar egal war. Und schliesslich der Kommentator der «Südostschweiz», der glaubte, dass sogar die «Neue Zürcher Zeitung» im medialen Kampf um Aufmerksamkeit «den Kompass verloren hat».

Tatsächlich kann man in diesem Fall verschiedene Standpunkte einnehmen. Jeder, der Bilder auf Twitter lädt, muss damit rechnen, dass die Welt zuschaut. Twitter ist das öffentlichste aller sozialen Onlinenetzwerke. Sofern ein Nutzer seine Tweets für Unberechtigte nicht sperrt. Das hat die Sekretärin nicht getan. Im Gegenteil. Sie pflegte mit ihren Nacktbildern gar eine eigene Community, der jeder beitreten konnte. Bis Mitte Woche verfolgten 11 000 Nutzer ihr Twitter-Konto. Die Frau hat Bilder nur halbherzig anonymisiert. Wer sie kennt, konnte sie problemlos identifizieren.

Doch hat jemand, der sich im Internet bewusst so öffentlich zur Schau stellt , nicht auch das Recht auf Wahrung der Privatsphäre in den Massenmedien? Vielleicht ist Twitter eher mit dem Abfalleimer vor der Haustür zu vergleichen. Auch dessen Inhalt ist öffentlich einsehbar. Wer ihn durchwühlt, wird auf die ­Bewohner eines Hauses ganz private Rückschlüsse ziehen können. Dennoch wäre es ­einer Zeitung nie in den Sinn gekommen, zu ­fragen, ob es denn problematisch sei, dass eine Bundeshausangestellte Nacktbilder im Privatmüll entsorgt.

Nur eines steht mit Bestimmtheit fest: Die Porno-Sekretärin wirft hochkomplexe und brandaktuelle Fragen auf. Was bedeuten im digitalen Raum Privatsphäre und Öffentlichkeit? Müssen sie rechtlich und gesellschaftlich neu ausgehandelt werden? Damit haben wir – die NZZ wird durchatmen – wieder ein anständiges Diskussionsniveau erreicht.

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