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Monday
Jul282014

Das nächste Reichweiten-Opfer

Christof Moser ist ein vifer ­Internetnutzer. Bevor CNN Aufnahmen des Wracks von Flug ­ MH 17 ausgestrahlt hatte, war der Journalist fündig geworden.

Das russische Medium «Life News» zeigte im TV Bilder von ­toten ­Passagieren, die in der Ostukraine im Gras lagen: Eine ­ältere Frau in einem türkisfarbenen T-Shirt war zu erkennen. Zu ihren Füssen lag eine jüngere Frau in weissem Oberteil und grauem Rock, die Arme unnatürlich von sich gestreckt.

Moser hielt drauf. Er erstellte ­einen Screenshot des TV-Bildes, lud es bei Twitter hoch und publizierte es mit dem Kommentar: «Dramatische Bilder vom Absturz­ort der Malaysian Airlines #MH 17.» Twitter sog das Bild auf. Innert Minuten hatten es 50 andere Nutzer wiederholt, sogenannt re­tweetet. Unverständlicherweise drückten 14 Nutzer auf den Favoritenknopf. Doch einer Twitter-­ Nutzerin war das alles zu viel. «Bitte nimm das Bild raus», schrieb sie, «das muss nicht gezeigt werden.» Andere doppelten bald nach: Was Moser denn einfalle, eine solch entwürdigende Aufnahme zu zeigen.

Seither ist die Debatte neu entflammt, wie grausam Kriegsbilder sein dürfen. Auf sozialen Netzwerken und im Internet ist die Diskussion eine müssige. Es lässt sich immer jemand finden, der während eines Krieges grausamste Videos oder Bilder hochlädt. Enttäuschend ist nur, dass es nach den Ereignissen in der Ostukraine ausgerechnet ein Journalist war, der mithalf, ein so grausames Bild, gar ohne Quellenprüfung, auf Schweizer Smartphones und Computern zu verbreiten. Journalisten sollten wissen, was Opferschutz bedeutet.

In einem DRS-3-Interview durfte sich Moser rechtfertigen: «Mir war schnell klar, es handelt sich um eine Kriegssituation, nicht um einen Unfall.» Und: Man dürfe die Augen nicht vor den Grauen des Krieges verschliessen. Die Angehörigen, die die Leichen aufgrund der Kleider erkennen könnten, ­interessierten ihn nicht.

Verräterisch war ein Tweet ein paar Tage später. Enttäuscht über die Reaktionen auf einen ­Artikel schrieb er: «Bild von Flugzeugtrümmern und Leiche twittern Riesenaufregung! Artikel zu 180 toten Flüchtlingen im Mittelmeer twittern: routiniertes Gähnen.»

Erst kürzlich hat Christof Moser in einer seiner Kolumnen, in denen er sich seit Jahren als Medienethiker aufspielt, festgestellt: «Wer Reichweite bolzen will, entsorgt Relevanz im Giftschrank.» Das Reichweiten-Geschäftsprinzip von Newsportalen habe nur ein Problem: die Preisgabe der Aufklärung. Beim Journalisten Moser ist es die Integrität, die im Streben nach Twitter-Reichweite auf 

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