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Tuesday
Mar272012

Daten als Schmiermittel

Was Öl für die Industrialisierung war, sind Daten für das Informationszeitalter. Die Parallele wird gerne dazu verwendet, den gesellschaftlichen Wandlungsprozess greifbar zu machen.

Es ist ein intelligenter Vergleich. Wie Öl müssen Daten gefördert werden. Und um es als Treibstoff zu verwenden, muss man es raffinieren. Gleiches gilt für Daten. Erst durch deren Analyse können wir sie sinnvoll nutzen.

Datenförderung und Datenanalyse beherrschen heute Unternehmen wie Amazon, Facebook, Google und Apple am besten. Sie sind die modernen Ölbarone (Apple ist die wertvollste Firma der Welt). Technologiefirmen sind heute ebenso Gewinner wie die saudischen Ölförderer oder der Ölmulti Exxon. 

Das muss nicht so bleiben. Anders als Rohöl sind Rohdaten unbeschränkt vorhanden. Finanziert mit Steuergeldern, erhebt die Verwaltung zum Beispiel detaillierte Bevölkerungsangaben. Die Grundbuchämter dokumentieren jedes Grundstück. Das Bundesamt für Verkehr weiss alles über 

den Verkehr. Nur werden Rohdaten in «Silos» gespeichert und nicht zusammengeführt, um vielleicht bei der Städteplanung zu helfen.

Nur langsam beginnt Bundesbern umzudenken. So hat der Bundesrat kürzlich beschlossen, Wetterdaten von Meteo Schweiz öffentlich zu machen. Und die SBB wollen am Hackathon vom 30./31. März in Zürich, einer offenen Werkstatt für Programmier, erstmals zulassen, dass direkt auf ihren Echtzeitfahrplan zugegriffen werden kann. Noch darf man also hoffen, dass Abhängigkeiten verhindert werden können, wie sie 1973 offensichtlich wurden. Damals hat die Opec den Ölexport gedrosselt und eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst. Es wäre bedauerlich, wenn die heutigen Ölbarone dereinst über ähnliche Machthebel verfügen würden.

Diese Kolumne erschien erstmals in der SonntagsZeitung in der Ausgabe vom 25. März 2012.
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